Humor in der Beratung
Humor in der Beratung
Dr. Christian Jabornig
Pädagogik/Erwachsenenbildung
Kabarettist, Clown,
Dipl. Kunstherapeut,
Syst. Kunstth. Supervisionsweiterbildung (MGT,Graz)
Lebens- und Sozialberater
Seit mehr als 12 Jahren beschäftige ich mich aktiv und auch theoretisch mit dem Thema Humor. Sei es auf der Bühne als Kabarettist und auch als Clown, sowie in der Erwachsenenbildung - Akademie (FH) für Gesundheits- und Krankenpflege Villach, Klagenfurt. – Psychiatrische Sonderausbildung – Kreative Therapien, Schule für Psychiatrische Krankenpflege am LSF Graz, sowie bei diversen Weiterbildungseinrichtungen.
Duch die Verbindung mit der Ausbildung zum Multimedialen Kunstherapeuten (ÖAGG, Wien), Systemische kunsttherapeutische Supervisionsausbildung (MGT Wien, Graz), sowie in der Lebens- und Sozialberatung konte ich meine Tätikeiten mit der therapeutischen und beratenden Tätigkeit verbinden.
In unserer Welt, gespickt mit Gesundheit und Krankheit, erfüllt der Humor nach Vera ROBINSON drei Hauptfunktionen: Erstens eine kommunikative, zweitens eine soziale und drittens, eine psychologische Funktion. Der Humor dient dazu, wichtige Botschaften zu übermitteln, und hilft, soziale Bindungen zu knüpfen und bei der Bewältigung von Widrigkeiten und „delikaten“ Situationen Brücken zu schlagen. Diese Funktionen vermischen sich natürlich oft in unterschiedlichem Grad. Individueller Humor entsteht zwar im Inneren des Menschen, er benötigt jedoch Publikum. Er muss „ausgedrückt“ werden.
Er fungiert als Bewältigungsmechanismus, er wirkt sowohl gegen innere psychische Belastungen, als auch gegen äußere Zwänge (vgl. ROBINSON, S. 10)
Therapeutischer Humor
Aktive Humortherapie
Multimediale Humortherapie ist der gezielte Einsatz von Humor im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Die Form und der Ausdruck von Gefühlen stehen bei einem Werk an erster Stelle. Das Wort Therapie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie heilen, helfen, lindern und begleiten. Diese Methode arbeitet mit Übergängen von einem Medium zum Anderen, aktiviert dadurch vielfältige humoristische Sichtweisen und eröffnet somit neue Zugänge zu persönlichen Problemen und Konflikten.
Rezeptive Humortherapie
In der der rezeptiven multimedialen Humortherapie nutzt man die Tatsache, dass das Ansehen und Hören von humoristischen Beiträgen die Introspektion, und die Selbstwahrnehmung erhöhen kann. Die Multimedialität wird durch den Einsatz verschiedener Medien begründet wie z.B.: Filme, Comics, Clownerie und Kabarett, Lesen literarischer humorvoller Texte. Biographisch bedeutsamer Humor wird verwendet, um Ressourcen zu aktivieren. Die Wirkung des Humors wird dabei sehr von Alter, Sozialstatus, Hörsituation, etc. beeinflusst wird. Spezielle humoristische Beiträge können in der Therapiesitzung einerseits von diversen technischen Geräten abgespielt werden. Dies bringt den Vorteil, dass beliebig viele Wiederholungen möglich sind, und die humoristischen Beiträge immer wieder einwandfrei und orignialgetreu gehört werden können. Aber auch der Besuch von Kabarett- und Clownerievorstellungen ist sehr förderlich, da das Mitlachen des Publikums auch die eigene Bereitschaft zu lachen erhöht.
WIRKPRINZIPIEN
Humortherapeutische Wirkprinzipien in Hinblick auf die kunsttherapeutischen Wirkprinzipien nach TREICHLER (1996), sind auch für den Humor von Belang, da die Erzeugung von Humor ein künstlerisches Medium ist:
a) Die Ressourcenaktivierung leiblicher und seelischer
Kräfte. Hier können Ressourcen im physiologischen und
psychologischen Sinn aktiviert werden. Brachliegende,
inaktive, gehemmte, verdrängte, vergessene,
unbewusste, unentwickelte, physiologische und/oder
psychologische Prozesse und Fähigkeiten können angeregt,
aktiviert, reaktiviert, entwickelt, entdeckt und
gefördert werden.
b) Positive Selbsterfahrung durch künstlerisches, kreatives
Tun. Hier kann man sich in leiblichen, seelischen,
biographischen und zwischenmenschlich sozialen Bereichen
neu erleben. Dies bedeutet insgesamt eine Steigerung des
psychosomatischen Wohlbefindens, des Selbsterlebens und
der Eigenaktivität, welche neue Möglichkeiten im Sinne
einer Integration von Kreativität, Phantasie, Spiel,
Versuch, Bewegung und Gestaltung bedeuten.
c) Kreative Erweiterung des Erlebens und Verhaltens aus den
künstlerischen Erfahrungen.
Durch künstlerische, eben auch humorvolle Methoden kommt
es zu einer Erweiterung der eigenen Wahrnehmungen,
Fähigkeiten, Gefühle und Verhaltensmöglichkeiten
sowie des eigenen seelischen Erlebens. Hier bieten sich
neue Möglichkeiten wie: Gestaltungs-, Bewegungs- sowie
Veränderungsmöglichkeiten im leiblichen,
seelischen und sozialen Leben.
d) Aktivierung und Innovation von Ich-Stärke und
Selbstgestaltungskompetenz. Diese passiert mit
Auswirkung im körperlich, seelischen, sozialen und
geistig-biographischen Bereich des Menschen
(vgl. TREICHLER, 1996 S. 129ff).
Gezielter Einsatz von Humor in der Beratung unter Einbeziehung der Methodik der Provokativen Therapie von Frank FARELLY setzt weiters voraus, dass der Berater die selbstschädigenden Verhaltensweisen des Klienten humorvoll mit einer Portion „Augenzwinkern“ persifliert, so dass der Klient selbst über sein Verhalten lachen kann und damit größere mentale Freiheit gewinnt. Darüber hinaus wagt der Berater im Gespräch Bewertungen und Vergleiche anzusprechen, die der Klient zwar selbst denkt, aber für sich behält. Geleichzeitig wird eine Neubewertung des „Schrecklichen“ durch den Klienten erlebt, dass er befreit lachen und sich von lähmenden Gedanken distanzieren kann.
Beratung unter besonderer Rücksichtnahme von „Postivem Humor“. Dieser beinhaltet eine wertschätzende und nicht verletzende Äußerung von Humor im beratenden Gespräch.
Wenn der Klient über die eigenen Probleme und lähmenden Gedanken lachen kann, ist schon viel erreicht.
„Negativer Humor“ hingegen kann verletzend erlebt werden.
Sich über den Klienten verletzend lustig zu machen, ist nicht Sinn der Humortherapie.
Im Einsatz von Humor spielt die Intuition, die Empathie und die Erfahrung des Beraters eine große Rolle.
LITERATURLISTE
BOKUN, Branko: Wer lacht, lebt: Emotionale Intelligenz und gelassene Reife. Kreuzlingen 1996.
DERBOLOWSKY, Udo: Multimodale Kunsttherapie bei der mit seelischen Mitteln arbeitenden Krankenbehandlung, in: PETZOLD, Hilarion, ORTH, Ilse: Die neuen Kreativitätstherapien: Handbuch der Kunsttherapie.
Paderborn 1990, S. 396.
FARELLY, Frank. BRANDSMA Jeff. Provokative Therapie.
Heidelberg 1986.
JABORNIG, Christian: Pädagogisch-didaktische Aspekte des Humors in Clownerie und Kabarett. Dissertation Graz 2009.
ROBINSON, Vera M.: Praxishandbuch Therapeutischer Humor. Grundlagen und Anwendung für Gesundheits- und Krankenberufe.
Bern 2002.
Treichler, Markus: Mensch – Kunst – Therapie: Anthropologische, medizinische und therapeutische Grundlagen der Kunsttherapie. Stuttgart, 1996.


